Maikammer: Nicht wirklich schön, aber überaus interessant

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Die Grenzsteine Maikammer-Alsterweiler 

MAIKAMMER – lam – 1822 wurden die ersten Grenzsteine Maikammer-Alsterweiler aufgestellt, am Ende waren es sage und schreibe 220 solcher aus Sandstein gefertigter Markierungen. 200 Jahre später lässt sich die Geschichte der Grenzsteine nun in einem Buch nachlesen. Auf 204 Seiten haben Matthias C.S. Dreyer aus Maikammer-Alsterweiler und Wolfgang Mildner aus Neustadt ein wunderbares Zeitdokument geschaffen, welches sie in der Ortsvinothek der Öffentlichkeit vorstellten.

Sage und schreibe 513 Abbildungen und 27 Tabellen haben die Autoren zusammengetragen, um vor allem auch bildlich die Steine den Lesern näher zu bringen. So ziert den Einband des Buches ein Bild mit dem Stein auf dem die Nummer 130 eingemeißelt ist. Des Weiteren sind die Buchstaben MK für Maikammer sowie die Abbildung eines Gerichtssiegels aus dem Jahr 1777 zu sehen. Auf der Rückseite steht KW für Kirrweiler und die Zahl 24. Während auf den Vorderseiten der Maikammer-Alsterweiler Grenzsteine die Zahlen von 1 bis 220 eingemeißelt wurden, zieren die Rückseiten, so auch im Falle des Grenzsteines 130, andere Nummern, da die angrenzenden Gemeinden Kirrweiler (KW), St. Martin (SM) und Diedesfeld (DF) eine andere Zählreihenfolge vornahmen.

Das Buch zeigt die Vielfalt der Steine auf, vom einfachen Grenzstein bis zum erdverbundenen Felsen mit Inschriften. „Wirklich optisch schöne Steine gibt es allerdings nicht“, räumt Matthias Dreyer ein. Es lag nicht im Sinne der Verantwortlichen hoheitliche, „sprechende“ Steine mit reich verziertem Wappen zu errichten. Vielmehr stand der Pragmatismus der damaligen Vermessung und Grenzsteinsetzung im Vordergrund.
Damit der Inhalt ihres Buches möglichst authentisch und vollkommen wird, durchstreiften sie unzählige Male die Wälder um Maikammer um die Grenzsteine aufzuspüren, die teilweise viele Meter abseits von Wegen lagen. 46 der ursprünglich aufgestellten Steine wurden leider nicht mehr gefunden.

„Es ist aber nicht davon auszugehen dass diese gestohlen wurden, um sie vielleicht im heimischen Garten aufzustellen, viel wahrscheinlicher ist, dass im Laufe der vielen Jahre beim Anlegen von Waldwegen die Steine einfach beiseite geräumt wurden und so verschütt gingen“, erklärt Dreyer.

In jahrelanger Feldarbeit haben er und Mildner die heute noch auffindbaren Steine dokumentiert. Wie zeitintensiv die Recherche und die Umsetzung für die Erstellung des Buches war, nämlich neun Monate, wird an Dreyers Aussage bei der Vorstellung deutlich, als er mit einem süffisanten Lächeln anmerkte: „Meine Frau konnte das Wort Grenzstein schon fast gar nicht mehr hören!“

Ausgangspunkt das Buch überhaupt zu schreiben, war die vor 200 Jahren erfolgte Teilung der fünften Haingeraide zu der Maikammer, Kirrweiler, Diedesfeld und St. Martin gehörten. Die Haingeraide, genossenschaftlich organisierte bäuerliche Verbände, die im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gemeinsamen Wald nutzten, waren den Franzosen, welche Emde des 18. Jahrhunderts die Pfalz besetzt hatten, schon im Jahr 1792 ein Dorn im Auge, doch erst die bayerische Forstverwaltung führte geordnete Waldbewirtschaftung auf staatlicher Ebene ein, was zur Teilung der fünften Haingeraide im Jahr 1823 führte. Die Grenzsteine tragen alle aber die Jahreszahl 1822, da schon am 20. Mai 1822 Friedrich Eisenbiegler aus Alsterweiler zum Steinsetzer ernannt wurde und die Steine aufstellte.

Der Club Sellemols, die Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler, befasst sich mit den historischen Ereignissen in Maikammer und Alsterweiler. So lag es nahe, sich auch der damaligen Teilung der Haingeraide und den steinernen Zeugen anzunehmen.
Die zwei Jahrhunderte haben an den Grenzsteinen ihre Spuren hinterlassen. Getreu dem Grundsatz „Schönheit vergeht, Grund besteht“, hofft der Club Sellemols auf eine lange „Lebenszeit“ der Steine und dem damit festgelegten Grenzverlauf.

Wolfgang Mildner hat auch ein Buch über Brunnen in der Verbandsgemeinde Lambrecht und über die Grenzsteine in Lambrecht geschrieben. Letzteres hatte einst Ernst Kimmel, der aus Lambrecht stammte und in Königsbach wohnte, begonnen. Kimmel hielt auch die Grenzsteine in Neustadt schriftlich fest. Nach dessen Tod nahm sich Mildner der Sache an und brachte das Buch über die Lambrechter Steine zusammen mit Walter Klein von der Ortsgruppe Lambrecht des Pfälzerwald-Vereins zum Abschluss.

Erich Stachel aus Maikammer rief eines Tages bei Matthias Dreyer an, er solle doch mal bitte zu ihm in seine Vinothek kommen. Dort saß dann Wolfgang Mildner „und so nahm das Unheil seinen Lauf,“ lachte Dreyer bei der Buchvorstellung. Schnell entstand nämlich die Idee für das Buch „Grenzsteine Maikammer-Alsterweiler“, welche die beiden dann mit viel Herzblut umsetzten.

„Wir machten das Buch auch deshalb, damit die Geschichte der Grenzsteine für die Nachwelt erhalten bleibt!“ erklärte Dreyer. Ortsbürgermeister Karl Schäfer lobte die Arbeit der Autoren und das tolle Ergebnis. „“Früher lief ich achtlos an den Grenzsteinen vorbei, heute sehe ich diese mit ganz anderen Augen!“ Schäfer berichtete auch von einer Grenzsteinwanderung, die er gemeinsam mit Matthias Dreyer unternommen hatte, und bei der er, obwohl nach eigener Aussage körperlich recht fit, doch an seine physischen Grenzen stieß.

„Der Club Sellemols ist ja auf dem Gebiet der Heimatforschung sehr aktiv, was für einen Gemeinde sehr wichtig ist!“ stellte der Ortschef ergänzend fest. Dem Buch beigelegt sind jeweils Flyer in denen zwei sehr schön gestaltete Wandervorschläge aufgezeigt sind. Das Buch ist im Hekma-Verlag Maikammer erschienen und kann dort zum Preis von 19,90 Euro erworben werden.

Bilder: Club Sellemols Maikammer

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