Edenkoben: Wieder mehr Kontakt von Land zu Wasser

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Unterseeboot der Klasse 212A, U-32 in See

Patenschaft der Stadt mit dem U-Boot U 32 soll intensiviert werden.
EDENKOBEN – lam – Die Patenschaft zwischen der Stadt Edenkoben und dem in Eckernförde an der Ostsee stationierten U-Boot U 32 der deutschen Marine und dessen Besatzung soll wieder intensiviert werden. Dies machten Stadtbürgermeister Ludwig Lintz und eine Delegation von fünf Soldaten des Bootes anlässlich der Owwergässer Winzerkerwe deutlich.

Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie war die Beziehung zuletzt etwas abgekühlt. Gegenseitige Besuche, so wie sie seit Beginn der Patenschaft immer wieder stattfanden, gab es nicht mehr. Nun aber wird ein neuer Anlauf gestartet.

„Ich habe selbst schon zwei Reisen nach Eckernförde unternommen, um mir vor Ort ein Bild des hochmodernen Bootes zu machen, aber natürlich auch um mit den Soldaten der Besatzung näher ins Gespräch zu kommen,“ erklärte Ludwig Lintz.

Jetzt gab es den Gegenbesuch der Soldaten, die auch der Krönung der neuen Edenkobener Weinprinzessin Steffi Brechtel im Künstlerhaus beiwohnten.

Die Patenschaft für U 32 übernahm die Stadt Edenkoben mit der Indienststellung des Bootes im Jahr 2005. Dabei haben Patenschaften der Stadt Edenkoben zur Marine eine kleine Tradition. So unterhielt die Stadt schon im 2. Weltkrieg eine solche zu einem Minensuchboot. In den 1970er-Jahren gab es eine Ausschreibung, auf die hin man sich als Patenstadt für ein U-Boot der Klasse 206 bewerben konnte. Der damalige Bürgermeister Theo Bollenbach und weitere Bürger machten sich für eine Bewerbung stark und Edenkoben übernahm die Patenschaft für das U 28, das im Januar 1973 auf Kiel gelegt wurde und bis Juni 2003 die Meere befuhr.

Alexander Kocher aus Edenkoben, der auch bei der Indienststellung des U 32 vor Ort war, berichtete, dass es über lange Jahre eine sehr gutes Verhältnis zu den Kameraden des U 28 gab.

Andere Städte unterhielten ebenfalls Patenschaften zu einem U-Boot, so auch Neustadt an der Weinstraße. Des Weiteren gab die U-Bootkameradschaft Pfalz, die ihren Sitz in Edenkoben hatte und deren Vorsitzender mit Albert Beyer ein selbst ehemals aktiver U-Boot-Fahrer war.

Bei der Taufe des U32 war eine vom damaligen Stadtbürgermeister Werner Kastner angeführte Edenkobener Delegation mit dabei, zu der auch Helga Mäuslein gehörte, die dann die eigentliche Taufe mittels Sektflasche vornahm.

Das U 32, NATO-Bezeichnung S 182, ist das zweite U-Boot der Klasse 212 A, das der Bundeswehr überstellt wurde und das insgesamt sechs Boote umfasst. Sie sind die modernsten U-Boote der Deutschen Marine und weltweit die ersten außenluftunabhängigen Boote, deren Antriebsanlage für Tauchfahrten auf Brennstoffzellen basiert. Aufgrund dieser Antriebsanlage gelten diese U-Boote als mit die leisesten auf der Welt. Die sechs Boote sind aktuell die einzigen U-Boote der Deutschen Marine, nachdem die letzten Boote der Klasse 206 A im März 2011 außer Dienst gestellt wurden.

Am 4. Dezember 2003 getauft, wurde U 32 mit seinem Schwesterboot U 31 am 19. Oktober 2005 vom damaligen Verteidigungsminister Peter Struck in Eckernförde in Dienst gestellt. Es gehört wie alle U-Boote zum 1. U-Bootgeschwader der Einsatzflottille 1.
U 32 stellte am 26. April 2006 einen Rekord auf, indem es als erstes konventionell angetriebenes U-Boot, also ohne Kernenergieantrieb, zwei Wochen ununterbrochen unter Wasser blieb. Dies war bei der Fahrt von Eckernförde nach Rota in Spanien.

Im Februar 2013 querte U 32 zusammen mit dem Tender Main, einem Versorgungsschiff, den Nordatlantik, um am US-amerikanischen Manöver „Westlant Deployment“ teilzunehmen. Bei dieser Fahrt stellte das Boot abermals einen neuen Rekord mit 18 Tagen Unterwasserfahrt auf. Als Höhepunkt der vier monate dauernden Übung sollte sich die U 32 auf Befehl der NATO an einen US-Flugzeugträger heranschleichen, das kampfstärkste Waffensystem der Welt. Es gab dann einen simulierten Kampf zwischen dem U 32 und einem US-Flugzeugträgerverband, nachdem sich das U-Boot unter Ausnutzung aller Tricks und Kniffe ganz nahe an den Trägerverband der Amerikaner heranmanövriert hatte.

Warum hat ein U-Boot eigentlich eine Nummer und nicht wie Schiffe einen Namen, so wie beispielsweise das Segelschulschiff der Bundesmarine, das nach dem Schriftsteller Gorch Fock benannt ist. Hintergrund ist die Tatsache das man dem U-Boot man nur eine untergeordnete Rolle im Handelskrieg und in der Aufklärung zutraute. In Deutschland hatten U-Boote ab 1906 deshalb nur Nummern. Die Anordnung U-Booten keine Namen zu geben, stammte von Kaiser Wilhelm II, der U-Boote als unritterliche Waffe empfand, da sie sich in seinen Augen unbemerkt an Schiffe heranschlichen und sie quasi hinterrücks zerstörten. So heißt die U 32 eben auch nicht „Edenkoben“.

Auf der 56 Meter langen und 7 Meter breiten U 32 verrichten 28 Mann ihren Dienst.
Der Antrieb vom Typ hybrid diesel-elektrisch mit Brennstoffzellen, besteht aus je eine Diesel- und einem Elektromotor, der Brennstoffzellenanlage und einem Propeller. Die Gesamtleistung liegt bei 4.200 PS, was dem Boot eine Geschwindigkeit von 20 Knoten, entsprechend 37 Stundenkilometern, beim Tauchgang und von 12 Knoten, also 22 Kilometern pro Stunde im aufgetauchten Zustand ermöglicht. Verschiedene Sonare dienen dazu Schiffe auf See aber auch U-Boote zu orten. Sechs Torpedorohre sind für Schwergewichtstorpedos eingebaut, die eine Reichweite von mehr als 50 Kilometer haben.

Text: Heinz Lambert

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