Klima-Arboretum in Flemlingen eröffnet – Vielfältige Einblicke in eine großartige Baumwelt

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FLEMLINGEN – lam – An einem Naturpark vor der eigenen Haustür können sich seit dem vergangenen Samstag vor allem die Bürgerinnen und Bürger der Verbandsgemeinde Edenkoben, aber natürlich auch alle anderen Menschen, die es gerne mit der Natur halten, erfreuen. Das nach acht Monaten „Bauzeit“ eröffnete Klima-Arboretum in Flemlingen bietet interessante Einblicke in die afrikanische, asiatische europäische und nordamerikanische Baumweilt.
„Aus einem ehemaligen Sportplatz, der zuletzt mehr eine Ziegenwiese war, ist ein wunderschöner naturverbundener Platz geworden“ begrüßte der Flemlinger Ortsbürgermeister Peter Henrich die rund 250 Gäste, die sich zur Eröffnung eingefunden hatten.
Die Frage „Was ist ein Arboretum?“, beantwortete der ehemalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Edenkoben, Olaf Gouasé in seiner bekannt liebenswerten pfälzischen Art. „Do stehen Bääm noh beinanner, awwer weit genung ausenanner.“
Zu Beginn des Jahres 2020 hatte er die Idee, anlässlich des 50. Geburtstages der VG etwas Nachhaltiges für die zukünftigen Generationen schaffen zu lassen und damit auch die natürlichen Lebensgrundlagen in der VG und ihren 16 Ortsgemeinden zu erhalten. Das Klima-Arboretum in Flemlingen ist das dritte seiner Art in Rheinland-Pfalz.
Etwas fachlicher ausgedrückt, als es Olaf Gouasé zunächst tat, ist ein Arboretum eine Sammlung von Bäumen, abgeleitet vom lateinischen Wort Arbor für Baum und Arbustum im Sinne von Baumpflanzung. Am Ortsrand von Flemlingen in Richtung Hainfeld entstand auf rund einem Hektar eine Sammlung von 20 verschiedenen Baumarten, die sich Klimastabil zeigen oder als Klimastabil gelten. Diese Bäume kommen besser mit langen Trockenphasen, erhöhter Sonneneinstrahlung zurecht und sind resistenter gegen Schädlinge, als unsere heimischen Baumarten. Ganz gezielt wurden Bäume gesetzt, die in unseren hiesigen Wäldern nicht vorkommen. So findet sich unter anderem der Amberbaum, der ebenso aus Nordamerika kommt, wie die Weidenblättrige Eiche, die Sumpfeiche und die Scharlacheiche. Die Traubeneiche trifft man von Italien bis Nordgriechenland, aber auch in Skandinavien an. Wo die ungarische Eiche herkommt ist unschwer am Namen zu erkennen, während sich die Zerreiche in Südfrankreich, Italien und Südosteuropa wohlfühlt.
Insgesamt wurden 52 Großbäume gepflanzt, wobei die Gemeinden der VG jeweils drei zur Verfügung stellten und den Rest die VG beisteuerte.
Langfristig ist eine Erweiterung des Arboretums mit weiteren Baumpflanzungen vorgesehen. Diese Erweiterung soll sich dann mit der noch folgenden Renaturierung des benachbarten Kaltenbachs, der künftig zwischen Flemlingen und Roschbach in einem natürlichen Bachbett fließen wird, harmonisch in die Landschaft einfügen.
Die wunderschön gestaltete Anlage, soll zu einem Platz der Begegnung werden, wo sich Ökologie und Zukunft vereinen, sie soll aber auch als Lehrstätte dienen und Zeichen für den kommunalpolitischen Zusammenhalt in der VG Edenkoben sein.
Von jung bis alt können sich vor Ort alle Besucher über das Wuchsverhalten der Klimabäume informieren. An den Bäumen sind Nummern angebracht, die sich in einem eigens auferlegten Flyer wiederfinden der sich Hinweise zu den jeweiligen Bäumen gibt. Geplant sind Hinweisschilder, die mit QR Codes versehen werden um über Herkunft, Wuchsverhalten, Besonderheiten und die Verwendung des Holzes zu informieren. Zweck ist es die Verträglichkeit der Bäume mit den veränderten klimatischen Bedingungen zu erfahren, um diese Erkenntnisse beim Umbau des Waldes zu nutzen.
Das Arboretum ist in der VG Edenkoben die Fortsetzung einer bereits umfangreich durchgeführten Entwicklung von Natur und Landschaft, beispielsweise durch Gewässerrenaturierungen, oder auch das Anlegen von Feucht- und Biotopflächen zur Verbesserung der Biodiversität.
Olaf Gouasé sagte, das auf dem Arboretum besonders auch Kinder willkommen sind, zumal direkt nebenan ein Spielplatz vorhanden ist. „Die Erklärungshilfen, die an vielen Stellen über das Gelände verteilt sind, sorgen dafür, das alle verstehen können, was dieser besondere Ort für einen Sinn hat.
Das Gelände wurde von der Gemeinde Flemlingen für den symbolischen Pachtpreis von einem Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt. Die imposanten Sandsteinfindlinge, darunter ein als großer Tisch dienender 6,5 Tonnen schwere Koloss, und die Kastanien, Eichen, Douglasien und Kiefern, aus denen die schönen Sitzplatzgruppen gestaltet wurden, stammen aus dem Venninger Vorderwald. Bei der Entstehung des Arboretums lag der Focus auf recycelbaren Materialien, die aus der VG Edenkoben kommen. So kamen behauene Sandsteine aus der Renaturierung am Bachweg in Edenkoben und aus dem Großfischlinger Kindererlebnisraum.
Die Gesamtkosten lagen bei rund 60.000 Euro, die durch großzügige Spenden der Paul-und-Yvonne-Gillet-Stiftung, von der Sparkasse Südpfalz, der VR-Bank Südpfalz und von privaten Spendern finanziert wurden.
Die Kinder der Kita Roschbach sangen zu Beginn der Veranstaltung über wachsende Bäume. „Dies ist ein Baum mit ‘nem dicken Stamm, Wurzeln in der Erde, Blätter oben dran. Unten trinkt er Wasser, oben tankt er Licht, denn so kann er wachsen, weggehen kann er nicht!“ Der Liedermacher Peter Kühn aus Flemlingen beschloss mit seiner Band den offiziellen Teil mit dem Klassiker „Bei mir bist du schön“, von den Andrew Sisters.

Bilder: Heinz Lambert