Besuch eines Zeitzeugen der größten Schiffskatastrophe

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Am 23.10.2019 hatte die Klasse 9b im Geschichtsunterricht Besuch von Herrn Erich Lemke, einem Zeitzeugen, der den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg miterlebte.

Anfangs erzählte er von seiner Familie und seinem Wohnort nahe der französischen Grenze. Bald kam er auf das Thema Krieg, den er schon in jungen Jahren zu spüren bekam, als seine Lehrer nach und nach zum Kriegsdienst eingezogen wurden und alte, pensionierte Lehrer wieder den Unterricht übernahmen. Herr Lemke wurde bereits im Alter von 17 Jahren zum Flakhelfer.

Eines seiner prägendsten Erlebnisse war ein Gebäudebrand beim Bombenangriff auf Ludwigshafen, bei dem er vielen Menschen durch seine Ausbildung das Leben retten konnte. Er erinnert sich bis heute noch gut an die Flammen und die Hilfeschreie der Leute.

Dies sollte nicht seine letzte Rettungsaktion gewesen sein. Ein unvergessliches Erlebnis führt ins Jahr 1944: Das überfüllte Kreuzfahrtschiff Wilhelm Gustloff stieß als langersehnte Fluchthoffnung mit über 10.000 Menschen an Bord in See. Geplant war die Route von Gotenhafen in den sicheren Westen, um der russischen Armee zu entfliehen. Tragischerweise kreuzten sich jedoch die Wege des Flüchtlingsdampfers und des russischen U-Boots S13. Vom U-Boot wurden drei Torpedos abgefeuert und trafen die Gustloff, welche daraufhin sank. Das Torpedoboot T36, mit Erich Lemke als Marine-Soldat an Bord, wich von seinen eigentlichen Plänen ab und eilte zur Rettung. Insgesamt konnte die Crew rund 500 Leute retten, bevor sie den Rettungsversuch, wegen erhöhter Gefahr auf weitere Angriffe, abbrechen mussten. Die T36 erreichte im Laufe des nächsten Tages die Insel Rügen und schiffte die Frauen und Kinder aus. Dies gilt bis heute als die größte Seerettungsmission.

Herr Lemke erzählte auch von seiner einjährigen russischen Gefangenschaft, aus der er wegen Erkrankung und der Erklärung zur Arbeitsunfähigkeit entlassen wurde. Nur so war es ihm möglich ein neues Leben nach dem Krieg aufzubauen. Er erhielt u.a. das Bundesverdienstkreuz, welches er mit weiteren Dokumenten zum Zweiten Weltkrieg mit in die Klasse brachte. Fragen, darunter auch sehr persönliche, beantwortete er überzeugend.

Das Wichtigste für den in Neustadt lebenden rüstigen Senior war allerdings seine Lebenseinstellung den SchülerInnen mitzuteilen:

Für Frieden gibt es keine Alternative“.

(Text: SchülerInnen 9b, Gymnasium Edenkoben)