Das Museum für Weinbau und Stadtgeschichte und der Heimatbund Edenkoben e.V. präsentieren vom 6.11. bis 29.11. die Doppelausstellung „Demokratie bewegt!“
Die Arbeiten des Edenkobener Künstlers und Grafikers Lutz Schoenherr sollen Menschen zum eigenen Handeln anregen. Seine künstlerischen „Interventionen“ unter dem Titel „Aus gegebenem Anlass“ reagieren auf konkrete Ereignisse. Das sind häufig Anlässe, die scheinbar überraschend geschehen und seinen Alltag beeinflussen.
Schoenherr ruft nicht dazu auf, die Welt schnell zu verändern. Zuerst möchte er selbst verstehen, was geschieht. Danach stellt er sich und anderen die Frage: „Auf welcher Seite stehst Du?“
Populistische, rechts-nationale und antidemokratische Stimmen werden immer lauter. Deshalb ist diese Frage für Schoenherr besonders wichtig. Sie steht auch im Mittelpunkt seines Werks „Bibliothek menschlicher ethischer Entwicklung“.
Schoenherr ist Kriegsdienstverweigerer, hat seinen Zivildienst in den 1970er Jahren in Palästina geleistet. Damit war ein intensiver Besuch in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz verbunden: „Auf welcher Seite hättest du gestanden?“ Dann hat Russland 2022 den Krieg gegen die Ukraine begonnen.
Für den Künstler ist die entstandene Bibliothek nicht nur eine Reaktion auf ein durchaus vorhersehbares Geschehen. Sie ist auch eine persönliche Wiederannäherung an historische Bezüge.
Die Bibliothek ist als Installation und als interaktives Schulprojekt entstanden und nun Teil der Doppelausstellung „Demokratie bewegt“.
Dieser Teil der Ausstellung weist auf Ereignisse hin, die unsere Demokratie aktuell bewegen oder bis ins Mark erschüttern. Viele der gezeigten Arbeiten entstanden schon vor längerer Zeit. Ein Beispiel ist ein Triptychon zum Klimawandel aus dem Jahr 2012. Weitere Arbeiten beschäftigen sich mit der Finanzkrise von 2008 und 2009 sowie mit der sogenannten Flüchtlingskrise ab 2015. Diese Krise wurde mit immer stärkerer Gewalt bekämpft, aber nie wirklich aufgearbeitet. Auch die Auseinandersetzung mit Krieg und Frieden beschäftigt den Kriegsdienstverweigerer immer wieder. Ebenso geben aktuelle Bedrohungen der Demokratie durch weltweite Krisen und als mangelhaft empfundenes Krisenmanagement Anlass zu künstlerischem Eingreifen: Krisen in der Welt erlebt als persönliche Identitätskrise.
Die bedrohte Demokratie bewegt auch andere Kunstschaffende. Das bezeugen etwa 50 Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die an dem Wettbewerb „promoting democracy“ der Akademie der Diözese Rothenburg-Stuttgart teilgenommen haben. Die entstandenen Werke zeigen verschiedene Formen demokratischen Handelns mit dem Medium des Werbeplakats. Dabei wird der Zusammenhang zwischen Freiheit, Demokratie und Kunst deutlich. Schoenherr erklärt ihn so: „Demokratie braucht die Freiheit der Kunst. Nur dann kann Kunst den politischen Austausch erweitern und vertiefen. Populisten jeder Art wollen diese Freiheit einschränken. Denn Kunst kann ihre Respektlosigkeit gegenüber der Würde des Menschen sichtbar machen. Umgekehrt braucht die Kunst die Freiheit der Demokratie. Artikel 5 unseres Grundgesetzes schützt diese Freiheit. So kann Kunst sich frei entwickeln und den politischen Austausch bereichern.“
#Fotografien des Kaiserslauterer Künstlers Thomas Brenner ergänzen beide Ausstellungen. Sie sind im Treppenhaus zu sehen und verbinden die Ausstellungen miteinander. Auf den Fotos bekennen sich Menschen „wie Du und ich“ zur Demokratie. Sie stehen für Würde, Vielfalt und einen respektvollen Umgang miteinander.
Mit der Ausstellung „Demokratie bewegt“ kommt tatsächlich einige Bewegung in die Stadt:
Vernissage: Donnerstag, 05.11., 19.00 Uhr. „Zuversicht und Aufbruch“: Lieder mit Peter Kühn (Flemlingen)
Sonntag, 15.11., 17.00 bis ca. 19.30 Uhr: „Demokratie ist nicht vom Himmel gefallen.“ Präsentation der Proletenpassion, eines musikalischen Werks über den Leidensweg der Demokratiegeschichte
Freitag, 20.11., 15.00 bis 18.00 Uhr: „Demokratie ist so, wie wir sie gestalten.“ Im Museumskeller findet ein Kunst-Workshop statt. Alle können teilnehmen. Gemeinsam gestalten wir ein großes Demokratie-Banner.
Sonntag, 29.11., 12.00 bis 13.00 Uhr: „Demokratie bleibt in unseren Ohren.“ Andreas Rathgeber aus Mannheim gibt ein Matinee-Konzert mit „schrägen Liedern“. Das Konzert ist zugleich die Finissage der Ausstellung. An diesem letzten Ausstellungstag ist das Museum bis 17 Uhr geöffnet.
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Um Spenden wird gebeten.
Der Eintritt zur Ausstellung außerhalb der Veranstaltungen ist im regulären Museumseintritt enthalten.
Text und Bild: Museum für Weinbau und Stadtgeschichte Edenkoben











