Wie hieß mein Urururgroßvater, wie meine Ururgroßmutter?

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Bernhard Braun aus Edenkoben verfasst Ortsfamilienbücher
EDENKOBEN – lam – Wie hieß mein Urururgroßvater väterlicherseits, wie viele Geschwister hatte er, wie war der Mädchenname meiner Ururgroßmutter mütterlicherseits, wo war sie geboren und wo kam sie her?

Antworten auf solche Fragen bekommt man von Bernhard Braun aus Edenkoben, zumindest dann, wenn man in Burrweiler, Flemlingen, Roschbach und Weyher wohnt. Für diese Gemeinden hat er nämlich ein jeweiliges Ortsfamilienbuch herausgegeben, dass im Falle Burrweiler sogar zwei Bände umfasst. Für Burrweiler kann man so nun Ahnenforschung für die Jahre 1728 bis 1912 betreiben. Flemlingen ist von 1728 bis 1784 in den Burrweilerer Ausgaben mit erfasst, einen eigenen Band gibt es hier ab 1785, der dann bis 1912 reicht.

Bis 1784 wurde Flemlingen von Burrweiler mitverwaltet. In Roschbach reichen die Aufzeichnungen bis ins Jahr 1667 zurück und enden 1911, in Wehyer geht die Historie bis ins Jahr 1588. Nach 1912 erlauben die heute geltenden Datenschutzbestimmungen keine Veröffentlichung von Personendaten, so wie sie in den Büchern praktiziert wird.

In Weyher reichen die Aufzeichnungen deshalb länger zurück, da dort im Gegensatz zu anderen Gemeinden, keine Bücher im 30-jährigen Krieg zerstört wurden. Die in Brauns Büchern aufgeführten Personen sind mit ihren Tauf-, Geburts-, Heirats- und Sterbedaten gelistet.
Je weiter der Verfasser in der Geschichte zurückgeht, desto mehr stützen sich seine Erkenntnisse auf die Kirchenbücher. Standesämter wie wir sie heute kennen, gibt es in Deutschland nämlich erst seit der linksrheinischen Besetzung durch Napoleons Truppen Ende des 18. Jahrhunderts. Im übrigen Deutschland gab es verschiedenste Handhabungen, ehe ab dem 1. Januar 1876 Die standesamtliche Registrierung von Geburten, Heiraten, Scheidungen und Todesfällen wurde erst am 1. Janaur 1876 für ganz Deutschland verpflichtend eingeführt. In den Gemeinden, die schon zuvor ein Standesamt, französisch ein „Bureau de l’état civil“, hatten, wurden „Civilstandsakten“ eingeführt und verwahrt.

Diese Verwahrungen führen für Bernhard Braun dann dazu, dass er sich in die dunklen Keller von Standesämtern begibt oder auch ins Kirchenarchiv des Bistums Speyer. Gebibt und dort stundenlang Akten wälzt, um sein Wissensspektrum zu erweitern.

Den Anfang nahm sein Steckenpferd 1990, als er auf einen sogenannten Ariernachweis eines Onkels seiner damaligen Ehefrau stieß. Der Onkel hatte zur NS-Zeit über vier Generationen zurück nachweisen müssen, dass er Arier ist, denn nur dann durfte er Offizier in der Wehrmacht werden. Brauns Ehrgeiz mehr über Vorfahren und Verwandte zu erfahren war geweckt und so begann er Familiendaten zu ermitteln und weitete seine Forschungen Stück für Stück aus. Immer tiefer stieg er in die, wie er sie nennt, Familienforschung ein. Den eigentlich bekannteren Begriff Ahnenforschung mag er nicht, klingt ihm dieser doch zu verstaubt.

Mindestens zwei bis drei Stunden sitzt er fast täglich am Computer. Dann entziffert er auf Webseiten alte Schreibschriften, wie die früher für amtliche Schreibstücke benutzte Kanzleischrift, die deutsche Schreibschrift, aber auch die bekannte Sütterlinschrift. Auf die lateinische Schrift stößt der Autor besonders dann, wenn er in Kirchenbüchern wälzt. In Letzteren sind die Inhalte sprachlich in Latein gehalten, da dies die Sprache war, welche die Pfarrer in ihren Unterlagen benutzten. Mit der von uns heutzutage verwendeten sogenannten lateinischen Schrift haben diese Aufzeichnungen aber wenig zu tun. Alle gewonnenen Daten ordnet er dann den Familien zu. Die Erkenntnisse helfen ihm besonders auch dann wenn er die handschriftlich festgehaltenen Daten in den alten Büchern entziffert.

2016 brachte er sein erstes Familienstandsbuch mit dem Titel „Weyher in der Pfalz – Die katholischen Einwohner 1588 – 1899“ heraus. Zu seinem Buch über Roschbach sagt er: „Will man ein solches Buch über Roschbach schreiben, muss man zwangsläufig Burrweiler und Flemlingen mitmachen, da die Einträge teilweise auch dort verzeichnet sind!“ Die zweibändige Burrweilerer Ausgabe, die nun erschienen ist, umfasst 692 Seiten. Da darf man schon gespannt sein, wie umfassend ein Werk ausfallen wird, dessen er sich noch annehmen will: Ein Familienstandsbuch über Edesheim. Auch ein Buch über Venningen hat er ins Auge gefasst.

Für die Stadt Edenkoben gibt es ein solches schon, welches allerdings nicht von Bernhard Braun verfasst wurde. Dieses steht aber schon aufgrund seines Umfangs nur auf CD zur Verfügung oder man kann den Inhalt alternativ aus dem Internet herunter laden.

Info
Bernhard Braun, Siedlung 6, 67480 Edenkoben,
Tel: 0 63 23 / 56 78, E-Mail: BBraunEden@gmail.com
Wer die Bände über Burrweiler einsehen möchte, kann dies montags, während der Sprechstunde des Ortsbürgermeisters, von 18 bis 19 Uhr, im Rathaus tun.

Bilder: Heinz Lambert