Ein Jahr nach der Flutkatastrophe: SÜW hat zusätzliche Vorsorgemaßnahmen getroffen und umgesetzt

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„Die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr sowie die ersten Zwischenergebnisse des Untersuchungsausschusses im rheinland-pfälzischen Landtag haben gezeigt, welch hohe Bedeutung der Thematik Wetter- und Hochwasserwarnungen auch im Katastrophenschutz zukommt. Auch wenn eine Priorität in SÜW schon lange auf dem Katastrophenschutz liegt, unabhängig von den vergangenen beiden Jahren mit Pandemie und Flutkatastrophe, hatten diese Extremereignisse natürlich Auswirkungen auf unsere strategischen Überlegungen und regten Weiterentwicklungen an. Deshalb wurden und werden im Landkreis Südliche Weinstraße Maßnahmen getroffen, um sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten“, führt Landrat Dietmar Seefeldt aus. Dazu zählen neben Hochwasser- und Starkregenschutzkonzepten auch die Erarbeitung eines Gewässerpflege- und Entwicklungsplanes für die Queich, die Installation einer Satellitenkommunikationsanlage auf dem Dach des Kreishauses, Schulungen des Fachpersonals im Katastrophenschutz und ein gut ausgestatteter Stabsraum.

Hochwasser- und Starkregenschutzkonzepte werden erarbeitet
Die Verbandsgemeinden im Kreis entwickeln aktuell in Zusammenarbeit mit dem Informations- und Beratungszentrum Hochwasservorsorge Rheinland-Pfalz (IBH) für ihre Ortsgemeinden Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte. Ein Hochwasserschutzkonzept ist derzeit ausgeschrieben, größtenteils wurden die Konzepte bereits erarbeitet oder befinden sich in der Abschlussphase – und mancherorts werden dort vorgeschlagene Maßnahmen bereits umgesetzt. „Jedes einzelne Konzept, das Hochwasserrückhaltung der zufließenden Gewässer wie beispielsweise Dernbach oder Eußerbach beinhaltet, trägt dazu bei, die Hochwassersituation an der Queich zu entschärfen“, macht Landrat Dietmar Seefeldt deutlich. Zum Hochwasserschutz an der Queich liegen verschiedene Studien vor, u.a. von den Universitäten Koblenz-Landau und Kaiserslautern. Die im Rahmen der Studien zum Hochwasserschutz an der Queich vorgeschlagenen Maßnahmen sind bereits in der Vergangenheit geprüft, und, wo sinnvoll, umgesetzt worden.

Gewässerpflege- und Entwicklungsplan für die Queich beauftragt
Zur Abflachung der teilweise erhöhten Ufer im Bereich der Retentionsflächen hat die Kreisverwaltung Anfang des Jahres 2022 ein Ingenieurbüro mit der Erstellung eines Gewässerpflege- und Entwicklungsplanes für die Queich außerhalb der Ortslagen beauftragt. Mit der Erstellung dieses Plans entstehe ein Instrument zur Überprüfung, wo mit welchem Aufwand eine weitere Optimierung des Hochwasserschutzes möglich ist, so Seefeldt. Damit sei eine Abwägung und Priorisierung von Maßnahmen zur Entwicklung eines naturnahen Zustands der Queich möglich.

Fortbildung für Führungskräfte von Feuerwehr und Katastrophenschutz
Um die Katastrophenschutzeinheiten in der Südpfalz auf entsprechende Ereignisse vorzubereiten, wurde Anfang diesen Jahres vom Referat Brand- und Katastrophenschutz der Kreisverwaltung SÜW zusammen mit dem Landesamt für Umwelt (LfU) eine Fortbildung für alle Führungskräfte von Feuerwehr und Katastrophenschutz im Leitstellenbereich Landau (Germersheim, Südwestpfalz, Südliche Weinstraße, Landau, Pirmasens, Zweibrücken) organisiert. Über 30 Führungskräfte der Landkreise, kreisfreien Städte und Verbandsgemeinden in der Südpfalz sowie der Integrierten Leitstelle nahmen daran teil. Die Themen umfassten unter anderem ‚Hochwasservorhersage und Warnungen für kleine Einzugsgebiete‘ und ‚Hochwassergefahrenkarten und Starkregenhinweiskarten‘.

Satellitenkommunikationsanlage auf dem Dach des Kreishauses
Eine Maßnahme, das Kreishaus betreffend, wurde durch die Installation einer Satellitenkommunikationsanlage getroffen: „Unlängst wurde die Anlage auf dem Dach des Kreishauses errichtet. Zukünftig können wir die Satellitenkommunikationsanlage als ausfallsicheres, zusätzliches Kommunikationsmittel nutzen. Die Terminals ermöglichen sowohl Sprachübertragung als auch Datenkommunikation. Mit Partnern aus Frankreich und der Schweiz sind wir dazu in einem grenzüberschreitenden Projekt der Europäischen Union tätig. An 25 Standorten in der gesamten Oberrheinregion wurden oder werden derzeit solche Anlagen errichtet. Denn im Landkreis Südliche Weinstraße mit seiner Grenzlage zum Elsass ist uns bewusst, dass wir, um es gemeinsam durch Krisen zu schaffen, tragfähige Netzwerke auch über Grenzen hinweg zu knüpfen haben“, erklärt Landrat Dietmar Seefeldt.

Sanierung des Stabraums im Kreishaus
Nicht zuletzt hat der Landkreis Anfang des Jahres die Sanierung des Stabsraums im Kreishaus abgeschlossen. Bei Großschadenslagen und Katastrophenfällen kommt dort die sogenannte gemeinsame Technische Einsatzleitung (TEL) der Stadt Landau und des Landkreises Südliche Weinstraße zusammen. Diese Führungseinheit, die in der Regel unter der Leitung des Brand- und Katastrophenschutzinspekteurs tätig wird, koordiniert die Arbeit der Feuerwehren und Hilfsorganisationen und arbeitet mit dem Verwaltungsstab zusammen. „Gerade bei Flächenlagen wie beispielsweise Hochwasser ist eine zentrale, sogenannte rückwärtige Koordination der Maßnahmen der Verbandsgemeinden erforderlich“, erläutert Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Jens Thiele. Die TEL kann im Einsatzfall ihre Arbeit im neuen Stabsraum in der Kreisverwaltung aufnehmen.

„Birkweilerer Erklärung“ verabschiedet
Sie haben sich in Birkweiler getroffen, um die grundsätzlichen Optimierungsmaßnahmen im Katastrophenschutz des Landes aufzuzeigen: Anfang des Jahres kamen zahlreiche Verantwortliche der rheinland-pfälzischen Kreis-, Stadt- und Regionalfeuerwehrverbände an der Südlichen Weinstraße zusammen und verabschiedeten die „Birkweilerer Erklärung“. Der Workshop wurde vom Landesfeuerwehrverband in Koblenz organisiert, die Moderation übernahm Jens Thiele, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) des Kreises SÜW, der zugleich Fachbereichsleiter Katastrophenschutz im Landesfeuerwehrverband ist. In mehreren Gruppen wurden Verbesserungspotentiale bei Themen wie Einsatzleitung und Struktur im Katastrophenschutz, Ausrüstung der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes, Warnung der Bevölkerung und Öffentlichkeitsarbeit erarbeitet. „Bei dem konstruktiven Workshop wurden zahlreiche weitere Probleme geschildert und Lösungsansätze erarbeitet. Diese sind in ein Forderungspapier eingeflossen und sollen in die Enquete-Kommission des Landes eingebracht werden“, fasst der für Brand- und Katastrophenschutz zuständige Kreisbeigeordnete Kurt Wagenführer zusammen.

„In der Hochwasser- und Starkregenvorsorge gilt es, dass Staat, Kommunen und Betroffene sich dieser Gemeinschaftsaufgabe stellen. Um alle Akteure zu sensibilisieren, sie einzubinden und über Vorsorgemaßnahmen zu informieren sowie die Eigenvorsorge zu aktivieren, werden örtliche Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte erstellt. In den Konzepten werden alle Themen bearbeitet und diskutiert, die zu einer Minimierung der Schäden beitragen können. Eine Liste unter anderem mit Maßnahmen und Umsetzungszeiträumen ist das Ergebnis des Konzepts. Deshalb ermuntere ich Sie, beteiligen Sie sich in der Debatte Ihres Wohnorts und bringen Sie Ihre Ortskenntnisse ein. So können wir gemeinsam tragfähige und starke Konzepte erstellen, die uns alle angehen“, betont Landrat Dietmar Seefeldt abschließend.

Hintergrund
Mehr zum Thema Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte
Das Informations- und Beratungszentrum Hochwasservorsorge Rheinland-Pfalz – IBH – berät Kommunen, die im Rahmen von Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepten Maßnahmen erarbeiten, welche die Schäden auf örtlicher Ebene minimieren sollen. In örtlichen Hochwasservorsorgekonzepten werden in einem Beteiligungsprozess mit allen Akteuren ortsspezifische Hochwasservorsorgelösungen gesucht und die Eigenvorsorge aller Beteiligten gestärkt. Dabei sollten alle Handlungsfelder der Hochwasservorsorge im öffentlichen und privaten Bereich bearbeitet werden, also z.B. technische Schutzmaßnahmen im öffentlichen Bereich, natürliche Wasserrückhaltung, hochwasserangepasstes Planen, Bauen und Sanieren, Sicherstellung der Ver- und Entsorgung, Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz, Information der betroffenen Bevölkerung, Schutzmaßnahmen an Gebäuden und Anlagen, Hochwasserversicherungen und richtiges Verhalten bei Hochwasser.