Den Herausforderungen des Klimawandels trotzen: Landaus Baummanagerinnen und Baummanager wachen über rund 35.000 Stadtbäume

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Rund 35.000 städtische Bäume sind im digitalen Baumkataster der Stadt Landau verzeichnet – und alle müssen unterhalten, gepflegt und regelmäßig kontrolliert werden. Diesen Job übernehmen die bei der Grünflächenabteilung des Umweltamts angestellten Baummanagerinnen und Baummanager. Erschwert wird ihre ebenso spannende wie wichtige Aufgabe durch die Folgen des Klimawandels: Die Hitzesommer der vergangenen Jahre setzen den Bäumen zu und machen sie anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. In diesem Zuge haben sich in den vergangenen Jahren bereits die Ausgaben für die Bewässerung der Landauer Stadtbäume verdoppelt – und trotzdem mehren sich die Ausfälle. Aus diesem Grund setzt die Stadt bei Nachpflanzungen schon jetzt verstärkt auf klimaangepasste Arten wie Feld-Ahorn, Hopfenbuche und Blumen-Esche.

„Wir wollen möglichst viele Stadtbäume erhalten und gleichzeitig für noch mehr Stadtgrün sorgen“, betont Umweltdezernent Lukas Hartmann. „Denn: Bäume spielen als Schattenspender, Klimaregulatoren und Sauerstofflieferanten eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Klimawandel und sorgen vor Ort für ein besseres Stadtklima – das merkt jede und jeder, der an einem heißen Sommertag das Kleinklima auf dem Rathausplatz mit dem in einem der Parks vergleicht.“ In diesem Jahr pflanze die Stadt Landau rund 400 Bäume, informiert Hartmann. Dabei handele es sich sowohl um Nachpflanzungen für meist junge, leider ausgefallene Bäume als auch um komplett neue Standorte.

Die fachlich besonders qualifizierten und ausgebildeten Baumkontrolleurinnen und -kontrolleure überprüfen jeden Baum im Stadtgebiet regelmäßig. Werden bei den Kontrollen Schäden bemerkt, leiten die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechende Maßnahmen ein – beispielsweise müssen Totholz entfernt, Baumkronen eingekürzt oder in letzter Konsequenz Bäume gefällt werden. „Das Baumkataster dient dazu, zur rechten Zeit die richtigen Baumpflegemaßnahmen zu veranlassen, um so die Bäume in ihrer Entwicklung zu fördern – aber auch, um unserer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen“, erläutert Umweltdezernent Hartmann. Auf diese wichtige Aufgabe entfielen im städtischen Stellenplan bislang 2,5 Stellen, seit Anfang August sind es 3,5.

Eine der Baummanagerinnen der Stadt Landau ist Johanna Roth. „Wir erfassen die Baumdaten direkt vor Ort auf transportablen Computern“, berichtet sie. „Dazu zählen neben Baumart und Standort auch Größe, Stammdurchmesser, Baumkronendurchmesser und eventuelle Schäden wie Pilzerkrankungen oder abgestorbene Äste.“ Kontrolliert wird bis zu zwei Mal im Jahr, abwechselnd im belaubten und unbelaubten Zustand. Die Baummanagerinnen und Baummanager betrachten die Bäume mit geübtem Auge von außen, um mögliche Krankheitssymptome zu erkennen. Werden dabei Symptome wie z.B. Pilzfruchtkörper oder vermehrt abgestorbene Äste entdeckt, folgen eingehendere Untersuchungen. In besonderen Fällen wird z.B. mit einem Resistographen, einem Gerät mit einer besonders dünnen Nadel, geprüft, ob und wie stark ein Fäuleanteil im Stamm vorhanden ist. „Die Bildung von Totholz hat sich in den vergangenen Jahren verdreifacht“, findet Roth klare Worte mit Blick auf die Herausforderungen des Klimawandels.

Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf den Jungbäumen im Stadtgebiet. Sie „groß zu bekommen“, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Grünflächenabteilung. Um das zu erreichen, wurden die Baumbeete entlang von Straßen vergrößert und es kommen Wassersäcke, sogenannte „Treegator“, sowie ringförmige Drainrohre zum Einsatz. Letztere dienen dazu, die Wurzeln der Jungbäume weiter in die Tiefe zu locken, damit sie sich das Boden- und Grundwasser selbst erschließen und somit nach den intensiven und regelmäßigen Wassergaben in den ersten drei Jahren künftig auch ohne künstliche Bewässerung auskommen.

Ein aktuelles Beispiel für die Arbeit der städtischen Baummanagerinnen und Baummanager: An einer stattlichen Zerr-Eiche im Savoyenpark ist bei einem der jüngsten Unwetter ein großer Ast abgebrochen. Der etwa 120 bis 150 Jahre alte und 28 Meter hohe Baum, der als Naturdenkmal ausgewiesen ist, ist vom Zunderschwamm befallen, einem Baumpilz. „Um den Baum zu erhalten und für die Verkehrssicherheit zu sorgen, mussten wir seine Krone sehr stark einkürzen“, erläutert Sabine Klein, Leiterin der städtischen Grünflächenabteilung. „Mit diesem starken Kronensicherungsschnitt wird die Gefahr eines weiteren Astausbruchs genommen. Gleichzeitig kann der Baum noch mehrere Jahrzehnte lang als Lebensraum für Insekten, Vögel und Fledermäuse dienen, für die stehendes Totholz ein besonders wertvolles Habitat darstellt.“

Pressemitteilung der Stadt Landau in der Pfalz.