Die Rheinland-Pfälzische „First Lady“ gibt sich die Ehre

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Ministerpräsidentin Malu Dreyer zu Gast in Hainfeld

HAINFELD – lam – Hoher Besuch hatte sich am vergangenen Samstag in Hainfeld eingefunden. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) war der Einladung ihres Parteikollegen Wolfgang Schwarz zum Besuch seines Heimatortes gefolgt. Begleitet wurde die erste Dame des Landes von ihrem Mann Klaus Jensen, dem ehemaligen Oberbürgermeister von Trier.
Hainfeld wurde zumindest für ein paar Stunden fast schon zum Nabel pfälzischer Sozialdemokratie, waren doch neben Dreyer und Schwarz noch der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Hitschler, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Mainzer Landtag, Alexander Schweitzer und die ehemalige Landrätin Theresia Riedmaier mit von der Partie.
Der Ortsbürgermeister stellte zunächst in ein paar wenigen Sätzen „sein“ Dorf und dessen lange Geschichte vor. Hainfeld ist eine prosperierende Gemeinde, die gerade auch für junge Familien interessant ist. An Wolfgang Schwarz gerichtet sagte Malu Dreyer zu Beginn der Veranstaltung, dass sie es sehr gut findet, dass Landtagsabgeordnete auch Erfahrungen in der Kommune haben. Sie sei froh in Zeiten von Corona endlich wieder Menschen treffen zu können. „Ich freue mich auch dass sich die Menschen entschieden haben Urlaub in Deutschland und speziell in der Südpfalz zu machen. Dass Orte wie Hainfeld einen eigenen Kindergarten haben findet sie im Hinblick auf die Zukunft von Dörfern sehr positiv. Die Menschen würden sich aktuell auch wieder mehr an Landschaft und Natur erfreuen.
Wolfgang Schwarz hatte den Nachmittag in drei Themenblöcke unterteil. Dabei wurden Dorferneuerung, Schwerpunktgemeinde, der Einfluss der Corona-Pandemie auf Gastronomie und Tourismus sowie auf die Weinwirtschaft in ausführlichen Gesprächen vertieft. Zunächst kamen ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie die anwesenden Gemeinderäte zu Wort. Dass die Vorsitzende des CDU-Ortsvereins, Ute Schweig, mit ihrem Pendant auf Seiten der SPD, Manfred Schweig, verheiratet ist, veranlasste Wolfgang Schwarz zu der Feststellung: „Wo anderenorts die Politik mit einem Koalitionsvertrag bestimmt wird, regeln wir das in Hainfeld per Ehevertrag.“

Maria Przybilla überraschte den hohen Gast mit einem in Pfälzer Mundart vorgetragenen Gedicht, dass die „First Lady“ mit viel Beifall bedachte. Peter Mohr, der sich als „Ältester Kerwebu“ vorstellte, und auch als Gästeführer in der Region tätig ist, sprach für die Kulturinteressierten, denen es derzeit an Angeboten fehle. Dazu meinte Malu Dreyer, dass aber schon wieder recht oft Ersatzveranstaltungen für die großen Feste angeboten werden, gerade auch Konzerte. „Künstlerinnen und Künstler brauchen Auftrittsmöglichkeiten!“ betonte sie. Werner Engel sprach von den Problemen, die Vereine wie der VfL Hainfeld haben, wenn ihnen wegen des Saisonabbruchs und den abgesagten Festen notwendige Einnahmen fehlen. Am Tag des Besuchs von Malu Dreyer konnte aber erstmals wieder ein Freundschaftsspiel auf dem Hainfelder Sportlatz ausgetragen werden. Dreyer lobte den VfL, dem es gelungen sei trotz Corona-Hindernissen ein Spiel zu organisieren.
Ab 2020 wird Hainfeld für acht Jahre Schwerpunktgemeinde im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms des Landes sein. Aktuell läuft schon die Dorfmoderation, wobei Themen wie Nachbarschaftshilfe und die Einrichtung eines Dorfladens auf der Agenda stehen. Dass Pfarrhaus und das Pfarrheim sollen saniert und der gesamte Dorfplatz neugestaltet werden. Malu Dreyer stellte fest, dass es auf den Hainfelder Dächern noch recht wenig Solar gibt, obwohl doch hier sehr viel die Sonne scheint. Es sei aber die Sonnenenergie gerade in ökologischer Hinsicht auszubauen. Sie lobte das Engagement der Hainfelder etwas für die Dorfgemeinschaft zu tun und die Menschen einander näherzubringen.
Im Restaurant „Am Dorfbrunnen“, nahm sie erst ein kleines Bad in der Menge und unterhielt sich mit einigen Gästen. Ralf Bamesberger schilderte die Probleme für die Gastronomie in Corona-Zeiten, gerade auch in seinem Betrieb. „Es ist schon schlimm, wenn man Angst haben muss eventuell Mitarbeitern kündigen zu müssen, die teilweise seit Jahrzehnten im Betrieb arbeiten und schon praktisch zur Familie gehören.“ Die Erfahrungen der Wirtsleute mit der Nichtbeachtung von Corona-Regeln, nahm Malu Dreyer sehr interessiert zur Kenntnis.
Den Abschluss bildete ein Besuch im Weingut der Familie Scherr. „Wir wollen gerade in Corona-Zeiten unseren Kunden nah sein“ stellte Andreas Scherr in der Vinothek fest, die Malu Dryer und ihren Mann schon wegen des Interieurs sehr beeindruckte. „Winzer, die mehr oder weniger völlig von der Gastronomie abhängig seien, haben wegen Corona ein großes Problem, erklärte Scherr. Deshalb sind für ihn Privatkunden ideal. Er sprach die Fachausbildung der Winzer an und dass der Kompetenzstandort Neustadt nicht ausbluten darf, da dort die Basis für die sehr erfolgreichen jungen Winzer gelegt wird.“ Malu Dreyer stellte fest: „Winzer sind in der Gesellschaft hochanerkannt und ihre Arbeit wird sehr wertgeschätzt.“ Da die Scherrs drei Kinder haben, kam auch das Thema „Home-Schooling“ zur Sprache. Corona habe aufgezeigt, dass es hier viele Ansatzpunkte gibt, auf die künftig bereits in der Lehrerausbildung eingegangen werden muss.
Zusammenfassend stellte Malu Dreyer fest: „Wenn man rechtzeitig die Weichen stellt, können wir auch etwas erreichen.“