In der Gläsernen Manufaktur der Wasgau Ölmühle

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Denken Sie nicht, dass Gästeführer*innen Winterschlaf halten; sie bilden sich fort und bereiten sich auf neue Themen für die bevorstehende Saison vor. So geschehen am Freitag, 17. Januar beim Besuch der Wasgau Ölmühle in Hauenstein.

In die Gläserne Manufaktur eingeladen hatte die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Südpfalz Gästeführer – grenzenlos, Martina Roth aus Edenkoben.
Timo Keller, seit drei Jahren Mitinhaber der Ölmühle, betreibt zusammen mit seiner Frau Sabrina den angeschlossenen Hofladen „Hollerbusch“, der neben den eigenen 15 Ölsorten über 700 regionale Produkte anbietet – überwiegend in Bioqualität.

Keller begleitete die interessierten Gästeführer*innen fachkundig durch die Welt der Speiseölgewinnung im liebevoll ausgebauten 117 Jahre alten Gemäuer gegenüber dem Schuhmuseum.

Im Flur – mit Blick in die Manufaktur – werden auf Schautafeln die Geschichte der Ölgewinnung, die Schritte der Verarbeitung der Ölsaaten, die Unterschiede zwischen industrieller Ölgewinnung und der hier angewandten schonenden Kaltpressung, die Philosophie der Wasgau Ölmühle, die Auswahl des (Bio-)Saatgutes, die ernährungsphysiologische Bedeutung des Fettsäurenmusters einzelner Öle sowie die Produktpalette des Hauses vorgestellt.

In der Produktionshalle stehen drei Edelstahlpressen, die ca. 15 – 20 kg Saatgut pro Maschine pro Stunde verarbeiten. So wurden 2019 ca. acht Tonnen Saat verarbeitet. Aus 1 kg Raps oder Lein können ca. 350 ml Öl gewonnen werden; fettreiche Nüsse liefern ca. 450 ml. Hingegen werden für 1 Liter Traubenkernöl, was gerne von Spitzenköchen zum Braten verwendet wird, etwa 50 kg Kerne benötigt.

Timo Kellers favorisiertes Öl ist Leindotteröl, das schon die Kelten kannten und vermutlich seinen Namen von der gelben Blütenfarbe hat; inmitten eines blaublühenden Leinfeldes tauchte die Pflanze wie Dotter auf. Durch den hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist dieses Öl besonders wertvoll.

Abschließend konnte in einem Video der gesamte Vorgang bis hin zur Handabfüllung und Versiegelung nachvollzogen werden; sehr lehrreich und sicher ein interessanter Anlaufpunkt für die zu erwartenden Gäste der touristisch frequentierten Region Südpfalz.

v.l.: Martina Roth (Edenkoben), Gudrun Stübinger-Kohls (Billigheim-Ingenheim), Felix Wellhausen (Gleisweiler), Timo Keller (Hauenstein)

Foto: Jutta Grünenwald