Landrat Seefeldt: „Gesundheitsamt arbeitet seit Monaten am Limit!“

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Bei der Bekämpfung des Coronavirus kommt den Gesundheitsämtern eine große Bedeutung zu. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Landrat Dietmar Seefeldt reagiert auf die heutige Berichterstattung in der Tageszeitung Rheinpfalz, die der guten Arbeit, die im Gesundheitsamt geleistet wird, nicht gerecht werde. „Denn worum geht es?“, so Seefeldt, „es geht darum größtmöglichen Schutz für die Menschen zu gewährleisten. Das bedeutet, schnellstmöglich die Infektionsketten zu unterbrechen. Das hat bei der Arbeit der gesamten Kreisverwaltung bei der Pandemiebekämpfung oberste Priorität.“

Sobald vom Labor ein positiver Befund gemeldet wird, beginnt für das Gesundheitsamt die Fallermittlung: „Dann werden alle Kräfte in Bewegung gesetzt, um die Infektionskette zu unterbrechen.“ Dabei gilt es die Fragen zu klären: Wer ist die Person, wo befindet sie sich? Wo hat sich die Person angesteckt? Wer sind ansteckungsverdächtige Kontaktpersonen? „Es findet eine akribische Kontaktnachverfolgung statt, einzelne Kontakte werden jeweils individuell bewertet, es werden jeweils individuelle Entscheidungen über die folgenden Maßnahmen getroffen, beispielsweise Quarantäne, Testungen und vieles mehr“, so der Landrat. „Das Verfahren bindet alle Kräfte, um den größtmöglichen Schutz für die Menschen zu gewährleisten. Glücklicherweise ist es an dem Beispiel Trifels-Gymnasium Annweiler schnellstens gelungen, die Infektionskette zu unterbrechen, was die Ergebnisse der Testungen gezeigt haben. Dazu wurden beispielsweise 75 Personen kontaktiert. 

Der Landrat macht die Situation deutlich: „Wenn in Strukturen wie in Schulen oder Vereinen Infektionen auftreten, hat es oberste Priorität, mit den Betroffenen Institutionen in einen guten Kontakt zu treten. Es ist wichtig, dass alle, die in irgendeiner Form betroffen sein könnten, vom Gesundheitsamt schnellstmöglich informiert werden. Das kostet sehr viel Kraft und Zeit für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kreisverwaltung. Es geht in diesen Fällen darum, gut und vertrauensvoll mit den Institutionen zusammen zu arbeiten. Das gelingt uns gut. Einen größeren Schutz zusätzlich zum persönlichen Verhalten kann es aktuell nicht geben.“

Ein weiteres Aufgabenpaket, das das Gesundheitsamt leistet, ist die Dokumentation. „Die Daten sind sehr umfangreich und es muss viel für einen einzelnen Fall recherchiert werden“, erläutert Seefeldt. Risikokonstellationen, beruflicher Kontext, Vorerkrankungen, Dauer der Erkrankung, stationäre Behandlung, ob eine Beatmung erfolgt ist, ob die Person aus einem Risikogebiet kommt – und noch viele weitere Details müssen in eine bestimmte Software eingegeben werden, um im nächsten Schritt an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt zu werden. Doch damit hören die Aufgaben noch nicht auf: „Auch Handlungsempfehlungen für Kindertagesstätten, Schulen, tägliches Monitoring der COVID-19-Erkrankten und der engen Kontaktpersonen, Pressearbeit, Betreuung des Bürgerinfotelefons oder auch Verteilung von Schutzausrüstung insbesondere an Alten- und Pflegeheime gehören zum Tagesgeschäft“, macht Seefeldt nochmal deutlich.

Hintergrund
In der vergangenen Woche wurden drei Schülerinnen und Schüler an Schulen im Landkreis Südliche Weinstraße und der Stadt Landau positiv auf COVID-19 getestet, die aus oben genannten Gründen zunächst nicht aktiv durch die Kreisverwaltung kommuniziert wurden.
Darunter war eine Schülerin des Trifels-Gymnasiums in Annweiler. Die Schülerin der Jahrgangsstufe 12 befindet sich bereits seit dem 5. Oktober in häuslicher Isolation, da zuvor bereits ein Elternteil der Schülerin erkrankt war und bereits eine Quarantäne für das erkrankte Elternteil und die direkten Familienangehörigen ausgesprochen worden war. 27 Mitschüler (davon 8 Schüler aus dem Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes Südwestpfalz) und ein Lehrer wurden als Kontaktpersonen nach Kategorie 1 eingestuft. Dem vorstehenden Personenkreis wurde eine 14-tägige Quarantäne verordnet. Zudem wurden sie alle getestet.
Zudem waren noch neun weitere Lehrer in der Klasse tätig. Diese wurden ebenfalls getestet, konnten jedoch die Quarantäne mit Erhalt des negativen Testergebnisses verlassen. Es sind keine weiteren positiven Testergebnisse eingegangen. 

An der Integrierten Gesamtschule (IGS) Landau war Anfang Oktober ein Schüler der 10. Klassenstufe positiv auf COVID-19 getestet worden. Unter den Kontaktpersonen in der Schule befanden sich 47 Mitschüler der gleichen Klasse und zehn Lehrkräfte.
An der Berufsbildenden Schule (BBS) Landau war Anfang Oktober ein Schüler positiv auf COVID-19 getestet worden. Unter den Kontaktpersonen in der Schule befanden sich 30 Kontaktpersonen.