Große Gefühle bei Gedenkfeier am Forsthaus Heldenstein

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Sie bleiben unvergessen !

EDENKOBEN – lam – Von vielen Emotionen und Erinnerungen geprägt war die Gedenkfeier am Forsthaus Heldenstein, bei der am Samstag an den Absturz von zwei amerikanischen Militärflugzeugen am 19. Oktober 1944 gedacht wurde.
Nichten und Neffen von Charles A. Rath, dem Co-Piloten einer der Unglücksmaschinen waren extra aus der Nähe von Chicago angereist, um an ihren Onkel zu erinnern, der wie weitere 13 Besatzungsmitglieder der beiden Maschinen im Edenkobener Wald sein Leben ließ. Raths Nichte Sandy von Stedum las den letzten Brief des jungen Lieutenants vor, den dieser am 13. Oktober 1944, sechs Tage vor seinem Tod an seine Eltern geschrieben hatte. Darin berichtete er dass es ihm gut gehe. Ausführlich ging er auf seine täglichen Erlebnisse ein, nicht zuletzt auf die, welche er direkt aus der Pilotenkanzel seines Bombers selbst beobachtet hatte. Auch schrieb er, dass ihn der Job des Co-Piloten nicht ganz ausfülle, er wolle schnellstmöglich selbst der Flugzeugführer sein.
Von Stedum sagte: „Wir haben unseren Onkel nie kennengelernt, aber unsere Mutter hat stets dafür gesorgt, dass er in unsere Familie unvergessen bleibt.“ Es sei für ihre Eltern und Großeltern stets wichtig gewesen Antworten zu bekommen was mit ihm und seinen Kameraden passiert ist. Sie dankte Uwe Benkel von der Arbeitsgruppe Vermisstenforschung für seine Arbeit in dieser Richtung. Der Mann aus dem westpfälzischen Heltersberg hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht gefallenen Soldaten ihre Identität zurück zu geben.
Überraschen konnte Gustav Adolf Kühner aus Annweiler-Gräfenhausen. Er kam zusammen mit Sonja Keßler zum Heldenstein, wo sein Vater und ihre Mutter oft zusammen gespielt hatten. Kühners Vater Gustav war es, der als14-jähriger Junge als erster an der Unfallstelle war. Er hatte die riesige Bomberschwadron beim Überfliegen des Forsthauses beobachtet. Der Himmel sei geradezu schwarz gewesen und die Motoren hätten für einen Ohrenbetäubenden Lärm gesorgt, berichtete Kühner, davon was ihm sein Vater später erzählt hat. Zwei der Flugzeuge hätten sich dann mit ihren Flügeln berührt, worauf es zum Unglück kam.
Als er nach dem Absturz zu einem der Flugzeuge kam, sei der Rumpf noch erhalten gewesen, allerdings völlig ausgebrannt. Pilot und Co-Pilot, also Charles A. Rath wie man heute weiß, saßen festgeschnallt in ihren Sitzen. Durch die große Hitzeentwicklung waren sie bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Sie seien nur noch so groß wie Kinder gewesen. Ein furchtbares Erlebnis für einen Jungen in diesem Alter.
Er holte dann seinen Vater, der in dieser Zeit Revierförster am Heldenstein war. Dieser habe zusammen mit Freiwilligen die Leichen aus beiden Flugzeugen geborgen und nach Edenkoben verbracht, wo sie zunächst beerdigt wurden.
„Wenn man auf die Geschichte zurückblickt, dann ist es für mich schon erstaunlich dass wir uns heute hier treffen. Aus Feinden wurden Freunde“ freute sich Robert Rath senior, dessen Vater Joseph ein Bruder des Verunglückten war.
Während seine Cousinen am Sonntag nach Hause flogen, reiste er zusammen mit seinem Sohn Robert junior noch nach Tirol, in die Nähe von Innsbruck, um dort Verwandte seines Großvaters zu besuchen, der als Kriegsgefangener schon während des ersten Weltkriegs in die USA verbracht wurde und dort nach Kriegsende blieb. Eine besondere Art der Auswanderung!
Eine amerikanische Delegation von Soldaten und Zivilisten aus Kaiserslautern hatte am Vormittag beim Begehen des Waldes ein Maschinengewehr gefunden, was offensichtlich zu dem abgestürzten Flugzeug gehört. Den Amerikanern fiel ein Eisenstück auf, was aus dem Laub ragte und sich dann als ein MG entpuppte. Uwe Benkel wird den Fund zunächst melden und diesen den amerikanischen Behörden übergeben. Er könne sich vorstellen das Fundstück in einem amerikanischen Museum zu präsentieren, zusammen mit der Geschichte die dahinter steckt.

Bildunterschrift
Erinnerten an den Flugzeugabsturz am Heldenstein vor 75 Jahren, (v. l.:) Sonja Keßler, Sharon Grockocki Pascente, Sandy van Stedum, Uwe Benkel, Gustav Adolf Kühner, Robert Rath Senior und Robert Rath Junior.
Bild: Heinz Lambert